Wanderung der Wandergruppe GUGGER Ettingen vom Donnerstag, 17. September 2020: Ausflug zu unseren jurassischen Freunden Diesmal ist der Schreiberling wieder persönlich dabei, so dass er aus eigener Erfahrung berichten kann. Relativ früh startet eine Gruppe von 20 Wanderern*innen bei sommerlichem Wetter in Ettingen. Zuerst geht es mit dem 68er-Bus nach Aesch, wo wir in die S-Bahn nach Delémont/Delsberg umsteigen. Ghislaine findet, dass wir uns hier den historischen Teil der Stadt etwas genauer ansehen sollten, bevor wir unsere Wanderung beginnen. Tatsächlich ist die Altstadt mit je 2 Längs- und Querstrassen im Gegensatz zur modernen Unterstadt hübsch und verfügt über einige eindrucksvolle Gebäude z.B. ein Spital, ein Schloss und das Rathaus aber auch über schöne, alte Brunnen. Auf der Terrasse eines Restaurants am Place Brûlée/Place Roland Béguelin lassen wir uns nieder, um den bereits sehnlichst erwarteten Café/Gipfeli zu geniessen. Die heute rund 13'000 Einwohner zählende Hauptstadt des Kantons Jura wurde im Jahr 1289 von Peter Reich von Reichenstein gegründet und 1793 vorübergehend zu Frankreich geschlagen. Es gibt noch einige Reste der historischen Stadtmauer sowie 2 der ursprünglich 4 Stadttoren. Am 23. Juni 1974 stimmte der katholische, nördliche Teil des Berner Juras für die Selbständigkeit und damit für den Austritt aus dem Kanton Bern. Am 24.9.1978 gab das Schweizer Volk seinen Segen für die Schaffung des neuen Kantons, zu dessen Hauptstadt dann Delsberg bestimmt wurde. Die Unabhängigkeitswirren gingen dann noch viele Jahre weiter: Das deutschsprachige Laufental wurde dem Kanton Baselland zugeschlagen, die deutschsprachige Gemeinde Roggenburg und die französischsprachige Gemeinde Véllerat wurden abgetauscht und wechselten ihre Kantonszugehörigkeit, währenddem im bernischen, protestantischen Südjura die Gemeinde Moutier immer noch uneins über ihre künftige Kantonszugehörigkeit ist. Man hat den Eindruck, dass die Entwicklung der Stadt Delémont recht dynamisch verläuft, wird doch überall gebaut. Es gibt hier immer noch recht viel Industrie, so z.B. die Messerfabrik Wenger/Victorinox, die Giesserei Rondez, aber auch viele Betriebe im Bereich Uhren- und Metallindustrie. Trotzdem ist Delémont etwas auf die Region Basel ausgerichtet, was u.a. die S-Bahn Pruntrut-Delsberg-Basel-Olten, aber auch die Beteiligung des Kantons Jura am Techcenter Bachgraben Allschwil und die Bedeutung des Unispitals Basel für den Kanton Jura unterstreichen. Nach unserem Kaffeehalt verlassen wir die Stadt Delsberg durch die historische «Porte des Prés/Porte de Bâle» Richtung Nordwesten. Vor uns liegen 455 Höhenmeter Aufstieg von Delémont 435 m üM auf Haute-Borne 890 m üM. Insgesamt werden wir heute 505 Höhenmeter aufwärts/abwärts, 13 km und gut 4 Stunden Wanderzeit zu bewältigen haben. Zuerst geht es durch Weiden mit prächtigen, uralten Eichen aufwärts, bevor wir in den Laubwald einsteigen. Der Weg ist recht steil und schweisstreibend. Bei einem Aussichtspunkt auf halbem Weg legen wir eine kurze Pause ein. Das Panorama erweist sich heute aber als enttäuschend, da Nebel und Dunst über dem Delsberger Becken liegen. Wir legen beim Aufstieg einen intensiven Rhythmus vor, so dass uns vor dem Mittagessen genügend Zeit für einen Apéro auf der Terrasse der Ausflugsbeiz La Haute Borne verbleibt. Beim Menü können wir zwischen Fondue einerseits und Schweinsbraten mit Rosenkohl und Pommes frites andererseits wählen. Für die zweite Variante entscheidet sich eine klare Mehrheit, da es nicht Jedermanns Sache ist, bei sommerlich heissem Wetter ein Käsefondue zu geniessen. Die Glacekarte findet heute reichlich Zuspruch. Nach dem Mittagshalt geht es durch den Laubwald nur noch abwärts hinunter nach Soyhières, von wo wir kurz nach 16 Uhr den Bus zurück nach Delémont benützen. Soyhières ist ein kleines, verschlafenes Dorf, das bis vor einigen Jahren über einen modernen Bahnhof verfügte, der aber nie in Betrieb genommen und schliesslich zurückgebaut wurde. Heute gibt es nur noch eine Bus-Verbindung nach Delémont. Wir hätten eigentlich noch genügend Zeit gehabt, um in Soyhières in eine Beiz einzukehren. Die Betriebe erweisen sich aber entweder als geschlossen, zu weit entfernt oder wenden wegen Corona restriktive Zutrittsbedingungen an. So begnügen sich einige mit einer Glace aus dem Laden bei der Tankstelle. Auf einer Anhöhe beim Dorf thront übrigens die Ruine eines Schlosses, das im 12. Jahrhundert und um 1500 nach dem Schwabenkrieg zerstört wurde. In Delémont haben wir nochmals rund eine halbe Stunde Aufenthalt, bevor wir die S-Bahn zurück nach Aesch besteigen können. Mit dem 68er-Bus geht es schliesslich nach Ettingen, wo wir um ca. 18:30 Uhr eintreffen. Für die Organisation des heutigen Wandertags danken wir unseren Wanderleitern Ghislaine und Toni. Der Tag war angesichts der grossen Hitze anstrengend, aber hochinteressant. Der Berichterstatter: Robert Heuberger