Wanderung der Wandergruppe GUGGER Ettingen vom Donnerstag, 18. August 2016: Im Jura entlang der Landesgrenze Obwohl heute eine Wanderung in der Regio geplant ist, wird es ein recht langer Tag, denn An- und Rückfahrt nehmen doch einige Zeit in Anspruch. Wie erreicht man Lucelle im Lützeltal mit den öffentlichen Transportmitteln? Wir starten bereits um 07:20 in Ettingen, fahren zuerst mit dem Postauto nach Aesch,  steigen dort in die S3 nach Delémont um, von wo uns das Postauto über Develier und Bourrignon nach Lucelle bringt. Einmal mehr staunen wir über die  Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz. Unser Postauto durchfährt nur gerade zwei verschlafene Dörfer, kommt an Einzelhöfen vorbei, um  schliesslich bei einigen wenigen Häusern in Lucelle (Lützel) an der französisch-schweizerischen Grenze seinen Endpunkt zu erreichen. Nur 1 oder 2 Personen  steigen unterwegs aus. Im Übrigen haben wir den ganzen Bus für uns. Wenn das kein Service public ist! Bevor wir unsere Wanderung beginnen, erwarten uns im einsamen Motel/Tankstelle auf der schweizerischen Seite der Grenze Kaffee und Gipfeli. In Lucelle gab  es  auf der französischen Seite der Grenze lange ein grosses Zisterzienser-Kloster, das zur Zeit der französischen Revolution aufgehoben und dessen Gebäude 1801  teilweise abgebrochen wurden. Die Steine aus dem Abbruch wurden für den Bau einer Eisenhütte und einer Giesserei verwendet, die bis ca. 1870 in Betrieb blieben.  In den nicht abgebrochenen Teilen des Klosters werden heute ein europäisches Begegnungszentrum und sogar noch ein Altersheim betrie-ben. Lucelle ist aber auch für seinen kleinen idyllischen See bekannt. Wahrscheinlich haben seinerzeit die Mönche den Staudamm talabwärts errichtet, um im See Karpfen und andere Fische  aufzuziehen. Der See verlandete in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark, so dass in den 90er-Jahren beschlossen wurde, ihn auszubaggern und ökologisch  aufzuwerten. Diese Arbeiten wurden erst 2014 abgeschlossen. Wir wandern zuerst über den Seedamm, ein kurzes Stück talabwärts, um dann dem Grenzweg durch den Wald bergwärts zu folgen. Das Wetter meint es gut mit uns.  Währenddem Delémont noch etwas im Nebelmeer lag, wölbt sich nur ein bewölkter Himmel über uns. Es ist angenehm kühl und es regnet nicht. Lange führt der Weg  bergaufwärts, der Hangkante entlang, mit Sicht auf das französische Sundgau und später auf die schweizerische Ajoie. Immer wieder kommen wir an alten  Grenzsteinen vorbei, auf der einen Seite mit dem "F" für Frankreich und auf der anderen Seite mit dem Bärenwappen von Bern. Der Jura gehörte ja jahrhundertelang dem Basler Fürstbischof, bis er es in der französischen Revolution verlor. Am Wiener Kongress von 1815 wurde dann der grössere Teil dem Kanton Bern  zugeschlagen, der kleinere Teil dem basellandschaftlichen Birseck. Ende 1978 ging die Berner Herrschaft zu Ende und es entstand im katholischen Nordjura der  Kanton Jura, der 26. Kanton der Schweiz.  Kurz bevor wir um ca. 12:15 Uhr in Miécourt eintreffen, beginnt es ganz leicht zu regnen. Richtig zu schütten beginnt es aber erst, als wir im Hôtel-Restaurant de la  Cigogne (Storch) auf unser Mittagessen warten. Die Familie Rérat-Balmer betreibt dieses Haus bereits seit rund 60 Jahren. Es verfügt auch über 13 renovierte  Hotelzimmer. Die Küche ist über die Region hinaus bekannt, zu Recht, wie wir selbst werden feststellen können. Nach einem feinen, originellen Bauernsalat (mit  Ochsenmaul, Ei und Salaten) folgen als Hauptgang zwei Rahmschnitzel mit Pilzen, Karotten und Pommes frites. Es folgt schliesslich sogar noch ein Dessert, eine  Schale mit frischen Erdbeeren. Das Hôtel-Restaurant de la Cigogne ist wirklich eine empfehlenswerte Adresse.  Nach dem Mittagessen - es hat inzwischen aufgehört zu regnen - haben wir nur noch eine einstündige Wanderung vor uns, die uns auf flachen Wegen durch Feld  und Wald, am Etang de Montoie vorbei, nach Cornol führt. In diesem Dorf gibt es die letzte, noch in Betrieb stehende Zoccoli-Werkstatt der Schweiz. Auch die unter  dem Namen "Lager von Jules César" bekannte neolithische Fundstätte von Cornol ist erwähnenswert.  Wir aber haben kein Auge für diese touristischen Orte,  sondern besteigen nach kurzer Wartezeit das Postauto nach Courgenay. Welcher Schweizer kennt dieses Dorf nicht, resp. das Hôtel de la Gare, wo während des  ersten Weltkrieges die damals 18-jährige Gilberte servierte und den Soldaten aus der Deutschschweiz den Kopf verdrehte? Das Lied "La petite Gilberte" erhöhte  später noch ihre Berühmtheit. Gilberte wurde 1896 geboren, heiratete später einen Deutschschwei-zer und starb  1957 in Zürich, wo sie auch begraben ist. Das Hôtel de la Gare kannte gute und schlechte Zeiten. Der Basler Industrielle Moritz Schmidli rettete es schliesslich. Es wurde 1996 wiedereröffnet und wird unter der Ägide  einer Mme Boillat betrieben. Einige unserer Wanderer haben es sich nicht nehmen lassen, sich hier einen letzten Drink zu genehmigen, bevor wir alle wieder die S3  nach Delémont, Laufen, Aesch und Basel besteigen. Bis Delémont ist der Zug übrigens mit Schülern, die von Pruntrut nach Hause zurückkehren, bums-voll. Auf der  Rückfahrt setzt der Regen wieder ein, der uns aber nicht stört, da wir im Trockenen sitzen. Gegen 17:30 Uhr sind wir wieder alle zu Hause.  Toni und Theres danken wir für die wie immer tadellose Organisation der Wanderung. Wir haben einen schönen, interessanten Tag erlebt. Wir waren übrigens heute  32 Wanderer und Wanderinnen. Der Berichterstatter: Robert Heuberger